Dessau-Ziebigk

  1. 5.1. Knarrberg-Siedlung
  2. 5.2. Neue Siedlung Dessau-Ziebigk
  3. 5.3. Turnhalle und Auditorium der Schule in Dessau-Ziebigk
  4. 5.4. Restaurant und Cafe´ "Zum Luftverkehr"

5.1. Knarrberg-Siedlung

Knarrberg-Siedlung in der Bauphase, Junkers-Luftbild-Zentrale 1927. Ein großes Erkerfenster markiert das Haus des Fotomeisters Emil Theis in der Brunnenstraße, 1928

Knarrberg-Siedlung, Brunnenstraße/Knarrberg/Windmühlenstraße im Stadtteil Ziebigk, 1926-28, Entwurf Architekt Leopold Fischer vom Anhaltischen Siedlerverband. Die Ausstattung mit wärmetechnischen Geräten erfolgte durch die Junkerswerke; Angestellte, Facharbeiter und Werksmeister aus den Junkerswerken wurden meistenteils Bewohner dieser "Marokko-Siedlung". Der in Worpswede lebende Gartenarchitekt Leberecht Migge hat hier mit der Gestaltung der Siedlungsgärten sein "Grünes Manifest" einer ökologisch orientierten Gartenkultur erfolgreich durchsetzen können. Eine intensive gärtnerische Bodennutzung ermöglichte den Siedlungsbewohnern eine Selbstversorgung mit Nahrungsprodukten, eine existenzielle Sicherung aus den Erfahrungen von Kriegs- und Notzeiten.

Ab 1927-1930 schrieb der in Anhalt führende "Konsumverein für Dessau und Umgebung e. G.m.b.H." mehrere Architekturwettbewerbe für den Bau seiner Verkaufseinrichtungen in der Landeshauptstadt Dessau aus. Im Ergebnis dessen entstand 1928 im Zentrum der Bauhaussiedlung Törten ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus nach einem Entwurf des Bauhausdirektors Walter Gropius. Der Architekt Carl Fieger entwarf im gleichen Zeitraum ein großräumig gestaltetes Konsum-Warenhaus für den Stadtteil Siedlung, welches jedoch nicht realisiert wurde.

1929 ließ der Konsumverein am alten Wasserturm in der Heidestrasse einen Wohnhauskomplex bauen. Im Erdgeschoss befand sich eine moderne Ladenstraße. Backwaren, Molkereiprodukte, Fleisch- und Wurstwaren etc. waren dort erhältlich. Die Firmen Junkers & Co und Junkers-Kaloriferwerk statteten die Läden mit modernster Warmwasser-, Wärme- und Kühltechnik aus. Damit bot der Konsumverein eine umfassende Verkaufseinrichtung mit hohem Qualitätsstandard und Servicefreundlichkeit. Diese komplexe Ladenstraße wurde beispielgebend für Anhalt und Mitteldeutschland.

Unter diesen Gesichtspunkten entstand auch 1929 das Konsumgebäude in Dessau-Ziebigk, Friedrichstraße/heute Kornhausstraße, durch den Architekten Leopold Fischer vom Anhaltischen Siedlerverband. Die Ausstattung mit wärmetechnischen Geräten und modernster Gas-Kühltechnik erfolgte durch die Junkerswerke. Im Obergeschoss des Konsumgebäudes befanden sich Wohnungen, die in ihrer Raumanordnung dem Zeitgeist der Moderne entsprachen. Dort arbeitete und lebte bis 1933 Gerhart Seger (1896-1967), Generalsekretär der Deutschen Friedensgesellschaft, Chefredakteur des "Volksblatts für Anhalt" in Dessau und SPD-Abgeordneter des Freistaates Anhalt im Deutschen Reichstag. So gestaltete sich das Haus zu einem Ort der Friedensbewegung, Toleranz und Völkerverständigung. Durch die Nationalsozialisten im März 1933 verhaftet und im KZ-Oranienburg bei Berlin inhaftiert, gelang Seger die Flucht in die Tschechoslowakei. 1934 veröffentlichte er in Karlsbad sein Buch "Oranienburg - Erster authentischer Bericht eines aus dem Konzentrationslager Geflüchteten" mit einem Geleitwort von Heinrich Mann. Das Buch von Gerhart Seger, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde, bildete die literarische Vorlage für den weltbekannten Roman "Das siebte Kreuz" von Anna Seghers.

5.2. Neue Siedlung Dessau-Ziebigk (2009 abgerissen)

Neue Siedlung Dessau-Ziebigk, Flur- und Karl-Lemnitz-Straße im Stadtteil Ziebigk, 1930/31 durch die Mitteldeutsche Wohnungsbaugesellschaft m.b.H. errichtet. In exponierter Lage, nur 15 Gehminuten vom Dessauer Hauptbahnhof entfernt, entstanden an zwei Parallelstraßen zwischen den Bauhaus-Meisterhäusern und der Knarrberg-Siedlung eine Reihenhaussiedlung mit 202 Wohnungen. Ursprünglich als Flachdachbauten konzipiert, entschied man sich jedoch für eine konventionelle Dachform, so dass mit der nun zu jeder Wohnung gehörenden Dachmansarde ein zusätzlicher Wohnraum zur Verfügung stand. Die Innenausstattung der Wohnungen mit einer deckenhohen Einbauküche und im Sanitärbereich mit einer Junkers-Sparbadewanne nach Patent-Nr. 422 215 vom 25. November 1924, führte die "Dessauer Möbelfabrik AG" (Möfa) aus, die zu den Junkerswerken gehörte. Einbauküchen und Speiseschränke entwarf der Bauhäusler Heinrich-Siegfried Bormann.

Die Ausstattung mit Gasherden erfolgte sowohl von den Junkers- als auch den Askaniawerken. Eine sehr beliebte und familienfreundliche Wohnhaussiedlung mit Einkaufsmöglichkeiten und Kinderspielplätzen, deren Gesamtgestaltung in den Händen der Dessauer Architektin Edith Dinkelmann lag. Der Straßenzug der Flurstraße wurde 2009 im Zuge der Stadtsanierung abgerissen.

5.3. Turnhalle und Auditorium der Schule in Dessau-Ziebigk

Die Aula und Turnhalle der Ziebigker Grundschule erhielt 1930 ein modernes Junkers-Stahllamellendach.

Turnhalle und Auditorium der Schule in Dessau-Ziebigk, im März 1930 eingeweiht. Die im Boden versenkbaren Sportgeräte, Reck- und Barrenstangen, repräsentierten einen hohen technischen Standard. Ebenso die ganz modern gestaltete Halle mit einer Junkers-Stahllamellen-Dachkonstruktion, Junkers-Patent-Nr. 499 978 vom 22.05.1930. Eine Örtlichkeit, die auch als Festsaal und Kleinkunstbühne genutzt werden konnte. Junkers-Stahlbau, Junkers Kaloriferbau und Junkers & Co gestalteten die Halle zu einem der besten Zweckbauten der Moderne in Dessau. Am 7.März 1945 durch Bomben teilzerstört. Ein Wiederaufbau erfolgte 1946/47, wobei die Dachkonstruktion als zusätzliche Isolierung mit sogenannten Sauerkrautplatten gedämmt wurde.

5.4. Restaurant und Cafe´ "Zum Luftverkehr" (1945 zerstört)

Restaurant und Cafe´ "Zum Luftverkehr" mit Hotelbetrieb für Junkers-Luftfahrtgäste, Kornhausstraße/Ecke Rheinstraße, 1921 eingerichtet. Die von Junkers & Co sowie vom Kaloriferwerk ausgestattete Hotelküche verfügte über moderne, von Prof. Hugo Junkers entwickelte Haushaltstechnik wie Gaskochvorrichtungen mit Wärmeregler, Kochkisten und Kühlungsvorrichtungen im praktischen Langzeittest.

Im 1923 zur Stadt Dessau eingemeindeten OT Ziebigk befanden sich zwischen 1919 und 1933 in der heutigen Kornhausstraße zwischen Rheinstraße und Am Georgengarten mehrere Junkers-Firmen als selbständige Abteilungen.

Dazu gehörten:

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