"An den sieben Säulen"

  1. 4.1. Bauhaus-Meisterhäuser
  2. 4.2. Trinkhalle
  3. 4.3. Doppelwohnhaus für Junkers-Mitarbeiter
  4. 4.4. Junkers-Einraum-Haus

4.1. Bauhaus-Meisterhäuser

Bauhaus-Meisterhäuser, Ebertallee, Bauzeit 1925/26, Architekt Walter Gropius, Ausstattung mit wärmetechnischen Geräten durch die Junkerswerke. Über die Häuser schrieb Walter Gropius 1930 "der organismus eines hauses ergibt sich aus dem ablauf der vorgänge, die sich in ihm abspielen. in einem wohnhaus sind es die funktionen des wohnens, schlafens, badens, kochens, essens, die dem gesamten hausgebilde zwangsläufig die gestalt verleihen." Zu einem Bild im Wohnzimmer, auf dem auch ein Wandventilator aus der Produktion der Dessauer Junkerswerke zu sehen ist, notierte Walter Gropius: "heute wirkt noch vieles als luxus, was übermorgen zur norm wird!"

Die Küchen in den Meisterhäusern wurden von Marcel Breuer (Tischlerei der Bauhauswerkstätten) möbliert. Mehrere wärmetechnische Gasgeräte wie Warmwasser-Durchlauferhitzer, Gasherde und Gasbacköfen (Askania-Werke und Junkers & Co, beide Dessau) setzten Akzente in der modernen Hauswirtschaftstechnik.

Die Küche der Hausmeisterwohnung im Haus Gropius ist ausgestattet mit Küchenmobiliar, Entwurf Marcel Breuer. Geräte: Kombinierter Askania-Koch-&-Backherd, Junkers-Gasheizkessel. Das Foto zeigt auch, dass sich die zentrale Heizung im Haus Gropius nicht wie bisher publiziert in einem separaten Kellerraum befand, sondern in der Hausmeisterküche installiert war.

Mit Bezug der Meisterhäuser und Inbetriebnahme der wärmetechnischen Geräte war es ein technischer Angestellter der Junkerswerke, der zwischen 1926-1935 als Hausmeister nicht nur die Junkers-Geräte wartete, sondern auch das Geräteverhalten bei Dauerfunktion testete und kontrollierte. Mit dieser sich ständig auf Verbesserung der Gebrauchswerteigenschaften orientierten Zweckforschung, die auch Fragen und Probleme einer zeitgemäßen Werkstoffforschung mit einbezog, beschritt Prof. Junkers Neuland.

4.2. Trinkhalle

Die wiederhergestellte Trinkhalle nach einem Entwurf des dritten Bauhausdirektors Ludwig Mies van der Rohe mit dem "schwebenden Dach".

Trinkhalle, 1932, Ziebigker Straße/Ecke Ebertallee, Architekt Ludwig Mies van der Rohe. Die lange Umfassungsmauer, mit der Gropius sein Meisterhaus als Sichtschutz umgab, beeinträchtigte aber die historische Blickachse zu den „Römischen Ruinen“ im Georgium (Volksmund „Sieben Säulen“). Der 3. Bauhausdirektor Mies van der Rohe stellte diese Sichtbeziehung in genialer Weise durch einfache bauliche Mittel wieder her. Ein Fensterdurchbruch in die Mauer, eine auskragende, scheinbar schwebende Deckenplatte darüber, ausgeführt in Junkers-Leichtmetallbauweise mit Zementmörtel kaschiert. So zeigte sich der moderne „Refreshment-Stand“ an der Ziebigker Kreuzung, der einzige in Dessau ausgeführte Bau Mies van der Rohes. Sogenannte Trinkhallen, also Erfrischungsstände, unterschiedlichster Bauausführungen gab es bereits um 1880 im Dessauer Stadtgebiet.

Auch das Baubüro der Junkerswerke legte Entwürfe für Trinkhallen und Pavillons zwischen 1929/32 für eine weitere Belebung des Stadtraumes vor. Nicht die künstlerische Auffassung, sondern eine pragmatische ingenieurstechnische Arbeit liegt diesen Bauplanungen zugrunde. Ein entscheidender Gesichtspunkt in der variantenreichen Projektierung von Junkers.

4.3. Doppelwohnhaus für Junkers-Mitarbeiter

Wohnhäuser für Junkers-Mitarbeiter, Gropiusallee nahe den "Sieben Säulen" . Den Giebel der obersten Treppenhausfenster schmückt ein in Putz geschnittenes Firmensignet.

Doppelwohnhaus für Junkers-Mitarbeiter, Gropiusallee 72/74 im Stadtteil Siedlung.1924/25 im Stil des Expressionismus errichtet. Entwurf: Junkers-Baubüro. Objekt: Dreigeschossiger Reihenhaustyp mit je sechs großzügig geschnittenen Wohnungen und Mansarden. Symmetrisch angeordnete dreieckige Erkervorbauten, die mit ihren filigran gestalteten Glasfenstern wie Kristalle wirken, beleben die schlicht gehaltene Hausfassade. Über dem letzten Treppenhausfenster schwebt das im Putz modellierte und im Dreieck gefasste Junkers-Firmenzeichen, der fliegende Ikarus. Friedrich Peter Drömmer, expressionistischer Maler und Leiter der Werbeabteilung der Junkerswerke, gestaltete 1923 dieses Logo. Die Hausfassade entwarf Drömmer ebenfalls in künstlerischer Absicht. Wenn sich abends die Beleuchtung in den Räumen durch die Symmetrie der Fenster in den Glasscheiben widerspiegelt, entsteht eine Lichtinszenierung, die das Haus wie ein Kristall erstrahlen lässt.

Der Expressionismus war eine Abkehr vom Naturalismus des Jugendstils, eine Hinwendung zu einer konstruktiven "ingenieurhaften" Entwicklung, die in ihrer sachbezogenen Formensprache das technisch zweckhafte hervorhob und in den 1920er Jahren in die Moderne kulminierte. Beide Häuser stehen als markantes Beispiel für den von Junkers angestrebten sozialen Werkswohnungsbau für Angestellte.

4.4. Junkers-Einraum-Haus (geplant)

Einraumhaus in Junkers-Leichtmetallbauweise, Entwurf Siegfried Ebeling 1926. Das Tageslicht sollte durch prismatisch gestaltete Fensterbänder in das Haus gelangen und so eine gleichmäßig räumliche Lichtverteilung garantieren.

Junkers-Einraum-Haus, Kornhausstraße/Ecke Am Georgengarten im Stadtteil Ziebigk, Entwurf: Siegfried Ebeling, Junkers-Baubüro, Mai 1926. Das Haus mit einer selbsttragenden wärmeisolierten Duraluminium-Plattenhaut sollte auf dem Gelände des zentralen Pressebüros der Junkers-Nachrichten-Zentrale in der Kornhausstraße stehen. In diesem Bereich befanden sich auch seit 1919 der Junkers-Luftverkehr und die Abteilung Vertrieb der Junkers-Flugzeugwerk AG. Das Einraum-Haus sollte in Sichtbeziehung zum Haus Gropius stehen, das sich gerade im Rohbau befand.

Bei Realisierung dieses Entwurfes wäre ein bautechnisch hochinteressanter Vergleich gelungen. Junkers-Metallhaus in segmentierter Montagebauweise trifft auf den Steinhaus-Bau mit Betonarmierungen und Steineisendecken der Bauhaus-Architektur. Im Gegensatz zum Bauhaus ging also Junkers einen anderen Weg, er baute mit Leichtmetall; Lamellenkonstruktionen aus dünnwandig profiliertem Stahlblech und Paneelwände.

Voraus ging seine entscheidende Frage: "Wie schwer muss denn ein Bauwerk sein?" und verglich es mit dem Bau eines Flugzeuges.

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