Kornhaus

  1. 6.1. Das "Kornhaus" an der Elbe
  2. 6.2. Badeanstalt Kornhaus an der Elbe
  3. 6.3. Junkers-Wasserflughafen, Projekt einer Lichtsäule
  4. 6.4. Bootshaus der Junkers-Paddelgemeinschaft e.V.

6.1. Das "Kornhaus" an der Elbe

Das "Kornhaus" an der Elbe. Das heutige Restaurant "Kornhaus", in Dessaus Nordwesten im Stadtteil Ziebigk gelegen, wurde 1929/30 nach einem Entwurf des Bauhausarchitekten Carl Fieger errichtet. Die Ausstattung mit wärmetechnischen Geräten, Be- und Entlüftungsanlagen erfolgte durch die Firmen Junkers Kaloriferwerk und Junkers & Co. Es entstand ein Bauwerk, das den Zeitgeist der Moderne des 20. Jahrhunderts in anschaulicher Weise verkörpert und sich zugleich harmonisch in die natürliche Elbauenlandschaft einfügt.

Am 6. Juni 1930 wurde der moderne Gaststättenkomplex eröffnet. Oberbürgermeister Fritz Hesse hob in seiner Festrede hervor, dass Dessau nun die Stadt an Elbe und Mulde sei. Der historische Georgengarten, die Umgestaltung des Beckerbruchs als künftiger Volkspark, die vorbildlich errichtete Knarrberg-Siedlung, das große Elbe-Strandbad, die Bootswerft am Leopoldhafen und nicht zuletzt der Junkers-Wasserflugplatz am Kornhaus spiegelten den sozial-kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung Dessaus als Landeshauptstadt Anhalts in einer politisch schwierigen Zeit wider. Man muss Akzente setzen, sagte er zum Abschluss, und Dessau wird dies auch in der Zukunft tun.

Die zahlreichen Gäste dieser Einweihungsfeier konnten nicht nur die moderne Architektur in ihrer Funktionalität und künstlerischen Bauausführung bewundern, sondern sie erlebten noch einen weiteren spektakulären Höhepunkt. Junkers-Werkpiloten mit einer zweisitzigen Junkers-Maschine A 50 "Junior" flogen über das Kornhaus zum nebenanliegenden Junkers-Wasserflughafen, starteten auf der Elbe und absolvierten die Teststrecke Dessau-Leipzig mit einem Flugprogramm, in dessen Ergebnis fünf neue Weltrekorde erzielt werden konnten. So begegneten sich auch hier in reizvollster Elbelandschaft die technische und die künstlerische Moderne.

6.2. Badeanstalt Kornhaus an der Elbe (1954 geschlossen)

Badefreuden am Kornhaus. Das Junkers-Stahlhaus stand hochwasserfrei auf einer von Pfeilern gestützten Stahlbetonplattform. Joost Schmidt, Leiter der Bauhaus-Reklamewerkstatt, entwarf 1930 für das Kornhaus eine einprägsame Werbekarte.

Badeanstalt Kornhaus an der Elbe, im Mai/Juni 1929 in sechswöchiger Bauzeit entstanden. Am Unterluch der Elbe, genau gegenüber dem Restaurant "Kornhaus", baute die Firma Robert Richter die Badeanstalt mit dazugehörigen Gebäuden. Eine auf Eisenbetonpfeilern gelagerte zwischengespannte Steineisendecke bildete die Form einer großen rechteckigen, hochwassergeschützten Grundplatte, die mit einem Spezialbetonanstrich versiegelt war. Diese trug ein doppelwandiges, mit Glasfasergewebe isoliertes Wellblechhaus, nach Junkers-Patent-Nr. 525 015 vom 08.03.1928, mit einem Wohnbereich für den Bademeister sowie einem angrenzenden Gastronomie- und Sanitärteil. Die Dachdeckung bestand aus verklebten Asphaltplatten der Dessauer Firma Wilhelm Kohlmann. Im Untergeschoss befanden sich die temporär eingerichteten Umkleidekabinen. Nach dem großen Sommerhochwasser 1954 wurde die Badeanstalt geschlossen und es erfolgte der Abriss des Metallhauses. Die verbliebene Grundplatte ist heute noch am Elbufer zu sehen.

6.3. Junkers-Wasserflughafen, Projekt einer Lichtsäule (nicht realisiert)

Eine Junkers A 50w "Junior" landet auf der Elbe am Kornhaus, 1930. Mit der geplanten Lichtsäule am Leopoldhafen sollte auch nachts der Junkers-Frachtflugverkehr abgesichert werden.

Junkers-Wasserflughafen im Leopoldhafen an der Elbe, im Zeitraum 1918-1945. Gegenüber dem Unterluch der Elbe, nur durch eine Halbinsel vom Fluss getrennt, befindet sich seit 1845 eine Hafenanlage der Stadt Dessau. Der Hafen diente als Umschlagplatz für Baustoffe, Kohle und Getreide, sowie als Winterhafen für die Binnenschifffahrt. Neben einer Bootswerft bekam der Leopoldhafen in den 1920er Jahren noch eine weitere interessante Funktion als Junkers-Wasserflughafen. Das Junkers-Flugzeugwerk betrieb dort eine Instandsetzungs- und Wartungsanlage für ihre Wasserflugzeuge. 1918 kam das zweisitzige Wasserflugzeug, die Junkers J 11, hier vor ihrem Marineeinsatz zur praktischen Erprobung.

Aus diesen Flugversuchen auf dem Elbebogen am Leopoldhafen entwickelte sich in Kooperation mit der Schiffswerft der Gebrüder Sachsenberg Roßlau ein völlig neuartiger Fertigungsbereich zur Herstellung von aerodynamisch geformten Schwimmkörpern für Wasserflugzeuge. Das ermöglichte die Erschließung geeigneter Wasserflächen für die Nutzung im Luftverkehr. So entstand auf der Elbe ab August 1925 die "Blaue Linie", Europas erste Wasserfluglinie im regelmäßigen Flugverkehr zwischen Dresden-Johannstadt - Dessau - Magdeburg - Hamburg-Altona und zurück. Die nahezu 450 km legten die Junkers F 13w-Maschinen in etwa 4 Stunden mit Zwischenstopp zurück. Allein in der Sommersaison 1925 wurden 134 Passagierflüge registriert.

Der Elbbogen am Kornhaus war in der Folgezeit auch weiterhin ein international beachtenswerter Ort, als dort 1928/29 Prof. Hugo Junkers Raketenstartversuche mit schwerbeladenen Wasserflugzeugen durchführen ließ.

Projekt einer Lichtsäule, glasummantelter Aussichtsturm aus Stahlprofilen auf einem Stahlbetonhaus am Dessauer Leopoldhafen an der Elbe im Stadtteil Ziebigk. Mit diesem Entwurf von 1930, der auf Anregung von Prof. Hugo Junkers in Abstimmung mit dem Junkers-Baubüro und der Architekturabteilung des Bauhauses unter der Leitung von Ludwig Hilberseimer entstand, erhielt der tschechische Bauhausstudent Václav Zralý am 9. Juni 1931 sein Bauhaus-Diplom, Nr. 46.

Der Junkers-Wasserflugplatz sollte seine Wirtschaftlichkeit insbesondere durch den Nachtflugtransportverkehr bringen. Eine 39 m hohe Lichtsäule, die zwar die Form eines Aussichtsturmes haben aber hellscheinendes Licht erzeugen sollte, konnte nachts den Landeplatz am Kornhaus auf der Elbe als "strahlenden Fluss" erhellen. Ein interessantes Bauprojekt, dessen Realisierung infolge der Verschärfung der Weltwirtschaftskrise und der politischen Veränderungen in Deutschland nicht zur Ausführung kam.

6.4. Bootshaus der Junkers-Paddelgemeinschaft e.V.

Bootshaus der Junkers-Paddelgemeinschaft e.V. am Leopoldhafen an der Elbe im Stadtteil Ziebigk. Unter Anleitung eines Monteurs sowie mit drei Junkers-Lehrlingen aus dem Kaloriferwerk entstand im Mai 1930 nach einem Entwurf von Ottokar Paulssen, Ingenieur im Junkers-Baubüro, innerhalb von 14 Tagen ein ästhetischer, zeitlos wirkender technischer Zweckbau. Die Junkers-Stahllamellen-Konstruktion lag hochwasserfrei auf mehreren Betonpfeilern und war mit einem gewölbten holzverkleideten Spitzgiebel in Blickrichtung Elbe der Landschaft hervorragend angepasst.

Das Bootshaus der Junkers-Paddelgemeinschaft hat seine schönste Seite der Elbe zugewandt.

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