Junkerswerke

  1. 16.1. Standort Junkerswerke
  2. 16.2. Junkers & Co
  3. 16.3. Junkers-Flugzeugwerk (Ifa)
  4. 16.4. Junkers-Motorenbau (Jumo)
  5. 16.5. Junkers-Gästehaus

16.1. Standort Junkerswerke

Bei der Standortwahl und Gestaltung der Junkerswerke im Stadtteil Dessau-West wurden Landschaft und Stadtbild gleichermaßen berücksichtigt. So gliederten sich die ab 1908 im Westteil von Dessau angelegten Junkers-Unternehmungen nicht nur nach technologischen oder verfahrenstechnischen Gesichtspunkten. Jedes Werk ist in seiner Struktur (Weichbild) als Einzelunternehmen zu erkennen und wirkt dadurch einer Industriemonotonie entgegen.

Junkerswerke Dessau, Lageplan 1923.

16.2. Junkers & Co

Cöthener Kreisstraße, 1928 , jetzt Junkersstr. 35/36

Reklameblätter zu Junkers-Warmwassergeräten nach brenntechnischer Bauart und auf Elektrobasis, 1928/29.

16.3. Junkers-Flugzeugwerk (Ifa)

Junkers-Stahlhalle in Paneelbauweise als Lackieranlage, Außen- und Innenansicht, 1929.

Cöthener Kreisstraße, jetzt Junkersstr. 42 und 52

Versuchsmontage eines Junkers-Stahlhauses aus segmentierten Bauteilen im Flugzeug-Werkbereich, 1931.

Junkers-Werksanlagen für den Flugzeug- und Motorenbau, 1928. Flugzeugwerbung im Jahr 1927.

16.4. Junkers-Motorenbau (Jumo)

Reklame für den international hoch geachteten Junkers-Motorenbau, 1928.

Cöthener Kreisstraße, jetzt Junkersstr. 42 und 52

Forschungs- und Konstruktionsbüros des Otto-Mader-Werks, Architekt Werner Issel mit dem Baubüro der Hugo-Junkers-Werke 1938.

JFM-Motorenwerk & Otto-Mader-Werk, heutiger Standort Junkersstr. 42 und 52. Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland im Januar 1933 wurde permanent versucht, den Demokraten und Pazifisten Hugo Junkers mit allen Mitteln aus seinen Werken zu drängen, um freie Hand zu haben für ihr Expansionsstreben. Im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums Berlin konstruierte die Oberstaatsanwaltschaft Dessau und Anhalt mit dem Mittel des sogenannten "Ermächtigungsgesetzes" den Vorwurf des Landesverrates gegen Hugo Junkers, in dessen Folge er im Herbst 1933 enteignet und unter polizeilichen Hausarrest gestellt wurde. Die Stadt Dessau musste er verlassen, seine Werke durfte er nicht mehr betreten, auch der Kontakt zu seinen einstigen Mitarbeitern wurde ihm untersagt. Hugo Junkers starb am 3. Februar 1935, an seinem 76. Geburtstag in seinem Haus in Gauting bei München. (siehe: www.junkers.de)

Nach Junkers Enteignung fusionierten im Juni 1936 die einstigen Hugo Junkers Werke -Flugzeugbau und Motorenwerk- zum Staatskonzern "Junkers Flugzeug- und -Motorenwerke AG (JFM)". Mit Kalkül wurde der gute Name "Junkers" für die neue Aktiengesellschaft beibehalten, erfolgreich seine Patente und das wissenschaftlich-technische Know-how genutzt. So ausgerüstet und finanziert vom NS Staat erlebte der Konzern bis 1940 eine rasante technische und wirtschaftliche Entwicklung, die der militärischen Aufrüstung diente und letztendlich in den Zweiten Weltkrieg führte. In seinen Tagebuchnotizen beschrieb Hugo Junkers die politischen Verhältnisse zu Beginn der 1930er Jahre in Deutschland: "Die politischen Wogen gehen hoch. Mensch kämpft gegen Mensch Hass und Rachsucht sind schlechte Kutscher, sie führen in den Abgrund."

Als Forschungs- und Entwicklungsstätte für Hochleistungs-Flugmotoren entstand ab 1938 unmittelbar neben dem JFM-Motorenwerk das Otto-Mader-Werk, Teil des Staatskonzerns. Die Entwürfe für Verwaltungsbauten, Konstruktionsbüros und Lehrstätten des Konzerns entstanden vom Berliner Architekten Werner Issel. Der im Reichsluftfahrtministerium tätige Walter Issel vermittelte die Aufträge. Umgesetzt wurden die Projekte von der JFM-Baudirektion und des Junkers-Stahlbaus bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Architekt Werner Issel äußert sich nach Kritik in der Zeitschrift "Monatshefte für Baukunst und Städtebau" 1939 wie folgt:"Natürlich wäre es eine krasse Überhebung, wenn der Architekt am Schluss des Werkes von, seinen´ Bauten sprechen wollte, denn ebenso großen Anteil hat an vielen der Ingenieur, an einigen den größten. Aber Sache des Architekten war es doch, dem Willen des Ingenieurs, wo er der Bestimmende des Werkes war, eine Form zu geben, die überzeugend wirkt, ohne zu ,kaschieren´ oder etwas zu verteuern."

Aber der gestalterische Anteil der Junkers-Bauingenieure bei Werner Issels Projekten ist noch gut erkennbar. Gerade die geschraubten Junkers-Stahlbaukonstruktionen ermöglichten die zügige Errichtung des Gebäudegroßkomplexes und die eleganten Lösungen der Treppenhausgestaltung verweisen auf die moderne Bauauffassung der 1920er Jahre.

16.5. Junkers-Gästehaus

In Form einer neobarocken Villa präsentiert sich das einstige Junkers-Gästehaus dem heutigen Besucher.

Junkers-Gästehaus, Hünefeldstraße 3, Stadtteil Alten. Im Zusammenhang mit spektakulären technischen Entwicklungen im Flugzeugbau benötigten die Junkerswerke ein repräsentatives Gästehaus, wie zum Beispiel in Vorbereitung der Atlantiküberquerung von Europa nach Nordamerika mit zwei Junkersflugzeugen des Typs W 33 ("Bremen" und "Europa"). Im Jahr 1927 erwarb deshalb Junkers im Stadtteil Alten in Flugplatznähe die Villa des ehemaligen Fabrikanten Robert Rekulé, die um 1908 der Kölner Architekt Hermann Eberhard Pflaume im Stil des Neo-Barock entwarf. Über eine Freitreppe gelangte man zu einem säulengeschmückten Eingangsbereich, der wiederum zu einem über zwei Geschosse reichendes Foyer führte. Große helle Räume, teilweise prunkvoll ausgestattet und eine imposante Freiterrasse zur Gartenseite waren ein ideales Objekt als Gästehaus.

Das Junkers Baubüro übernahm den Umbau. Durch die Ausstattung mit modernsten technischen Geräten aus Junkers´scher Produktion und einem hervorragenden Service waren die Gäste komfortabel untergebracht. Einträge im Gästebuch des Hauses zeugen von Prominenz aus Europa und Übersee, die den angenehmen Aufenthalt lobten und sich für die Besichtigung der Junkerswerke bedankten.



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