"Eiserne Stadt"

  1. 7.1. Projekt Stahlhochhaus "Eiserne Stadt"
  2. 7.2. Erstes Fabrikgebäude "Junkers & Co"
  3. 7.3. Pavillon auf dem Tennisplatz der Kleingartenanlage "Zur Pyramide"

7.1. Projekt Stahlhochhaus "Eiserne Stadt"

Der Bauhausmeister Georg Muche, Leiter der Weberei, besuchte 1925 die Dessauer Waggonfabrik. Hinter der Großen Halle für die Endmontage standen die fertigen Eisenbahnwaggons. "Wie Häuser aus Eisen", formulierte der ambitionierte Künstler, der auch in der Architektur schöpferisch und experimentierfreudig tätig war. Oft konsultierte er in seiner Dessauer Bauhauszeit den Junkers-Stahlbau und das Junkers-Baubüro.

Bekannt wurde er für seinen Experimentalbau "Stahlhaus" in der Südstraße am Rande der Bauhaus-Siedlung. Im Frühjahr 1927 entwarf Muche ein Stahl-Hochhaus im Norden Dessaus, Albrechtstraße/Ecke Querallee, unmittelbar an der Eisenbahnlinie in Richtung Roßlau. Es sollte als Bau der Moderne die nördliche Stadteinfahrt symbolisieren und die historische Stadtsilhouette mit ihren Türmen wirkungsvoll ergänzen. Ein interessantes städtebauliches Projekt, das mit Unterstützung des Junkers-Baubüro entstand, aber durch Muches Wechsel zu Johannes Ittens privater Kunstschule nach Berlin keine Rolle mehr spielte.

7.2. Erstes Fabrikgebäude "Junkers & Co"

Das älteste Firmengebäude von Prof. Hugo Junkers steht in der Albrechtstraße Richtung Roßlau und stammt von 1895.

Erstes Fabrikgebäude "Junkers & Co", Dessau, Albrechtstraße 47. 1895 entstanden in Anlehnung an die Industriearchitektur des väterlichen Webereibetriebes, Heinrich Junkers, aus Rheydt am Niederrhein. Hugo Junkers übernahm ein flexibel gestaltbares Primärtragsystem aus der viktorianischen Ära des frühen 19. Jahrhunderts in England und passte es seinen technologischen Fertigungsbedingungen für wärmetechnische Geräte an. So entstand ein Junkers-Rasterbausystem, dessen Prinzip er bei all seinen Industriebauten bis 1922 beibehielt.

Diese unverputzten Backsteinbauten waren traditionell schlicht gehalten und noch der Gründerzeit verpflichtet. Die Tragwerkkonstruktion zeigte jedoch bereits die für Junkers typischen Neuerungen, die eine kosten- und zeitsparende Veränderung der Räumlichkeiten ermöglichte. Prof. Junkers sah das Prinzip kubischer Massengliederung nicht mehr als eine rein architektonisch-ästhetische, sondern vorrangig als eine mathematisch-physikalische Aufgabe an, in der bautechnische und wirtschaftliche Aspekte eine wesentliche Dominanz erhielten. Grundsätze, die seine Bauten stets begleiten sollten.

Straßenseitig ließ Hugo Junkers an der Stirnwand seines Fabrikgebäudes die erste beleuchtete Groß-Firmenwerbung, ein Novum für Dessau, anbringen und setzte damit auch auf diesem Gebiet Akzente.

7.3. Pavillon auf dem Tennisplatz an der Kleingartenanlage "Sommerfreunde e.V." (Anlage zum Teil noch erhalten)

Der Stahlpaneel-Pavillon am Junkers-Tennisplatz setzte baukünstlerische Akzente der Moderne. Er bot mit seiner großzügigen Innen- und Außenraumgestaltung, im "Luxus der Einfachheit" eines modernen Mobiliars den Lebensstil der Bauhausphilosophie wider. Die Anlage war jahrzehntelang ein beliebter Treff für Sportbegeisterte und Freizeitanhänger.

Pavillon auf dem Tennisplatz der Kleingartenanlage "Sommerfreunde e.V." an der Albrechtstraße im Stadtteil Nord. Die Familie Junkers selbst spielte hier begeistert Tennis. 1929 wurde der Pavillon in selbsttragender Junkers-Stahlpaneel-Bauweise errichtet. Eine konstruktiv-statische Besonderheit bildete das weit auskragende Dach auf der Terrassenseite, das einen zusätzlichen Schutz bot und zugleich als Dachgarten genutzt werden konnte. Die gesamte Inneneinrichtung bestand aus den neu entwickelten Metallmöbeln der Junkerwerke. Dadurch entstand eine gestalterische Einheit von Innen- und Außenarchitektur, ein Pavillon als Gesamtkunstwerk, der auch in der Junkers-Reklame seinen Niederschlag fand. 1971 wurde er abgerissen.

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