"Dessau-Nord"

  1. 8.1. Wohnhaus von Prof. Hugo Junkers
  2. 8.2. Doppelwohnhaus für leitende Junkers-Mitarbeiter
  3. 8.3. Badeanstalt Rehsumpf

8.1. Wohnhaus von Prof. Hugo Junkers

Eine Villa aus der Gründerzeit, jedoch mit einer äußerst im Zeitgeist der Moderne wirkenden Familie, die das geistige, kulturelle und wissenschaftliche Leben weit über die Stadtgrenzen hinaus mit gestaltete und sich stets sozial engagierte.

Wohnhaus von Prof. Hugo Junkers, Albrechtstraße 109, ein gutbürgerliches Haus aus der Gründerzeit in unmittelbarer Nachbarschaft zur Petruskirche und zum Funkplatz gelegen. Hugo und Therese Junkers erwarben es 1923 aus Anlass ihrer Silbernen Hochzeit. Die Familie Junkers hatte zwölf Kinder, sieben Töchter und fünf Söhne. 1933 nahm die Familienidylle ein jähes Ende. Hugo Junkers wurde nach einer fingierten Prozessandrohung wegen Landesverrats von den Nationalsozialisten gezwungen, am 18. Oktober 1933 Dessau, die Stadt seines Wirkens in Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft zu verlassen.

Anfang 1923 ließ Prof. Junkers das Haus komplett mit den verschiedensten wärme-technischen Geräten aus eigener Produktion ausstatten. Damit wurde auch sein privates Reich zum "persönlichen Experimentierfeld" der Praxistauglichkeit seiner Firmenerzeugnisse. So entstanden im Zeitraum von 1924-1933 rund 55 Patentschriften auf wärmetechnischem Gebiet. Dazu gehörten unter anderem die Sparbadewanne, verschiedene Heizöfen und Wandlufterhitzer, Heißwasserspeicher, selbsttätige Temperaturregler, neuartige Mischbatterien für Badeöfen und Warmwassergeräte bis hin zu Brauseköpfen in unterschiedlichen Ausführungen und modernem Design.

Auch die Inneneinrichtung im Wohnhaus Junkers entsprach dem Zeitgeist der Moderne der 1920er Jahre. Bereits 1923 kam es zur Zusammenarbeit mit dem Bauhaus in Weimar. Für das Versuchshaus am Horn installierte die Firma Junkers & Co. die erforderlichen Warmwasser-Apparaturen. Nun arbeiteten Bauhausstudenten im Privatbüro von Prof. Junkers und gestalteten die Wohnräume im Haus Junkers. Marcel Breuer, Leiter der Bauhaustischlerei, übernahm 1926 mit seiner Werkstatt die gesamte Küchenausstattung mit Einbauschränken, Durchreiche, Tische, Abtropfregalen und Vitrinen. Für das Schlafzimmer wurden tiefe und hohe Schränke gefertigt, ergänzt mit einer verspiegelten Toilettennische für Frau Junkers und einem Gobelin der Bauhausweberei. Zahlreiche Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer setzten durch ihre Formgebung in scheinbarer Leichtigkeit moderne Akzente der im gutbürgerlichen Stil eingerichteten Junkers-Villa. Ludwig Mies van der Rohe, der spätere Bauhausdirektor, gestaltete 1930 mit seinen schwungvollen Stahlrohrsesseln und eleganten Glastischen das Herrenzimmer, sowie eine Sitzecke im Foyer des Hauses. Die Abteilung Wandmalerei des Bauhauses sorgte für die unterschiedliche Farbgestaltung der Räume, wobei helle Farbtöne dominierten.

Wie aufgeschlossen die Familie Junkers dem Bauhaus und seinen Ideen gegenüberstand, zeigte nicht nur seine Mitgliedschaft und die seiner Töchter im Kreis der Bauhausfreunde. Er tolerierte und förderte die künstlerische Avantgarde und suchte den Kontakt und Austausch mit Intellektuellen. Dazu gehörte auch soziales Engagement, wie finanzielle Unterstützung der Bauhauskantine und die sonnabendliche Mittagsbeköstigung von Bauhausstudenten im Haus Junkers. Die Aufträge von den Junkerswerken an das Bauhaus, die durch die Werkstätten des Bauhauses ausgeführt wurden, sicherten nicht nur der Bauhaus-Gesellschaft mbH Einnahmen, sondern schufen Kreativität und Schöpfertum in beiden Wirkungsstätten. Es waren Höhepunkte der Innovation, denen mit der Schließung des Bauhauses in Dessau ab 1. Oktober 1932 und der Enteignung und Vertreibung von Hugo Junkers am 18. Oktober 1933 ein jähes Ende gesetzt wurde.

Durch Kriegseinwirkungen wurde das Junkers-Wohnhaus in seinem äußeren Erscheinungsbild stark verändert.

Am 03. Februar 1984, seinem 125. Geburtstag, wurde in Erinnerung an sein bedeutendes Wirken als Ingenieur, Wissenschaftler, Flugzeugpionier, Industrieller, Demokrat und Weltbürger eine Gedenktafel am Haus Albrechtstraße 109 angebracht.

8.2. Doppelwohnhaus für leitende Junkers-Mitarbeiter

Das Wohnhaus strahlt noch heute eine Aura aus und fasziniert in seiner baukünstlerischen Formgestaltung und interessant wirkenden Farbgebung. Insbesondere der Wandfries beeindruckt durch Formenvielfalt und Wechselwirkung zwischen Kunst und Technik.

Doppelwohnhaus für leitende Junkers-Mitarbeiter, als Eckbebauung, Ringstraße/Ecke Johann-Sebastian-Bach-Straße am Schillerpark im Stadtteil Nord, 1923/24. Ein baugeschichtlich früher Experimentalbau auf dem Gebiet der angewandten Thermotechnik für Mitarbeiter der Junkerswerke. Dort wohnten leitende Angestellte und Piloten mit ihren Familien und unterstützten praxisbezogene Junkers-Forschung bei Einsatz von wärmetechnischen Gas-"Test"-Geräten im Haus. So besaßen die Wohnungen nicht nur eine unterschiedliche Raumverteilung, sondern auch verschiedene Prinzipien der Wärmezuführung und der Ableitung verbrannter Gase.

Diesem Projekt waren zuvor Versuche im Windkanal vorausgegangen, um das physikalische Verhalten von Gasen unterschiedlicher Dichte nach ihrer Verbrennung im Luftstrom an einem Hausmodell zu untersuchen. So entstanden verschiedene neuartige Schornsteinabzughauben, um unerwünschte Rauchbildungen zu vermeiden und unkontrolliertes Entstehen von Kohlenmonoxid zu unterbinden. Anlagen, die bei der Rekonstruktion des Gebäudes 1997 leider nicht wieder hergestellt worden waren und als interessantes technisches Anschauungsobjekt Junkers`scher Ideen verloren gegangen sind.

Die Windkanalversuche vor dem Beginn des Hausbaues lieferten aber die Erkenntnis, dass bei einem solchen Gebäude der Wärmeverlust an seinen Ecken viel höher war. Daher rundete das Baubüro Junkers die Kanten des Eckgebäudes und der Erker ab, damit wurde eine fließende Formgebung bewirkt und ein effizienterer Wärme-Wirkungsgrad erreicht.

Nach dem Wunsch von Prof. Junkers sollte die baukünstlerische Gestaltung des Gebäudes abgestimmt sein auf das Erscheinungsbild der benachbarten Jugendstilhäuser. Das erreichte ein umlaufender Wandfries, auf dem barocke Putten technische Gerätschaften aus der Junkers-Fertigung in den Händen hielten. Eine interessante künstlerische Arbeit des Dessauer Bildhauers Paul Brenning und in dieser Form eine kunstgeschichtliche Besonderheit, die heute noch bewundert werden kann.

8.3. Badeanstalt Rehsumpf

Mit seinen für die Dessauer Badeanstalt Rehsumpf gefertigten Einrichtungen wie Familienbrausebäder, hochwasserfreie Freizeit- und Sozialbauten schuf das Baubüro Junkers gesellschaftliche Musterbauten.

Badeanstalt Rehsumpf. Die an einem Muldarm zwischen der Jonitzer Mühle und dem Stadtteil Wasserstadt gelegene Badeanstalt "Dessauer Schwimmklub von 1904, e.V. Dessau-Jonitz/Rosenthal", heute kurz Rehsumpf genannt, war einer der privaten Freizeitorte der Familie Junkers. Hier besaß Prof. Hugo Junkers ein kleines Badehaus, das sich im Sommer zu einem Ort des zwanglosen Beisammenseins mit naturverbundenen und sportbegeisterten Dessauern entwickelte. Freizeit und Erholung, aber wohl auch anregend im geistig-kulturellen und sozialen Sinne. Hier erlebten die Dessauer "ihren Professor" privat, naturliebend und sportlich ambitioniert, ein Mitbürger und Familienvater. Als Förderer der Badekultur ließ er durch seine Firmen Junkers & Co und Kaloriferwerk für Dessaus Freiluftbäder und für die Stadtschwimmhalle ergänzend hygienische Einrichtungen einbauen, sponserte Duschanlagen und Erfrischungsspender. Sein Baubüro beauftragte er, Projekte für hochwasserfreie Sozialbauten in Metallbauweise anzufertigen. Es entstand eine Reihe von Entwürfen für diese temporären Häuser mit großflächigen Sonnenterrassen, Pavillons, Hochstände für Rettungsschwimmer, Sprungtürme und Erfrischungsstände. Sie zeigten sein starkes soziales Engagement für den Freizeitsport in Dessau.

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