Bauhaus

3. Bauhausgebäude

Auf dem noch freien Areal des neuen Stadtteiles Dessau-Siedlung, der Georgenbreite, ließ 1925/26 der Architekt und Bauhausgründer Walter Gropius eines der markantesten Bauwerke des 20. Jahrhunderts, das Bauhausgebäude, errichten. Gerade das noch unbebaute Gelände ermöglichte ein Bauen ohne Schranken. Im Mai/Juni 1925 entwickelte Gropius in seinem privaten Dessauer Bauatelier einen zeitlos modernen Baukörper aus Glas, Stahl und Beton, welchen er in das Zentrum einer historischen, klassizistischen Alleenachse aus dem 18.Jahrhundert stellte. In idealer Weise steht das Bauhausgebäude in seiner Komplexität "als ein weißer und lichter Bau auf freiem Feld", als Symbol des Neuen Bauens, wie ihn Zeitkritiker euphorisch beschrieben.

Der Bau ist ein geometrisch geordneter Mikrokosmos, dessen einzelne Gebäudeteile (Werkstattflügel, Fachschule, Verbindungsbrücke, Zwischentrakt mit Kommunikationsbereich und Atelierhaus) ineinander zu einem Stadtraum verschmelzen. Die optimale Sicht auf das Bauhausgebäude ist die Diagonale. Heute im Schnittpunkt von Gropiusallee, Bauhausplatz und Bauhausstraße gelegen, verkörpert die am 4. Dezember 1926 unter starker internationaler Resonanz eröffnete Hochschule für Gestaltung die Einheit von Kunst und Technik, Form und sozialem Inhalt; bot Raum für die wohl kreativste Künstlergemeinschaft des letzten Jahrhunderts.

Die berühmte Bauhausaula in Dessau, ein signifikantes Symbol der Moderne des 20. Jahrhunderts. Technisch funktionell und zeitlos ästhetisch, Marcel Breuers erste Stahlrohrbestuhlung der Welt und Max Krajewskijs Leuchtsoffitten, gefertigt in den Junkerswerken. An den Wänden die "gehängten" Junkers-Heizkörper, 1926.

Hier in Dessau begegneten sich Hugo Junkers, der hoch geachtete Unternehmer und bedeutende Technikpionier des 20. Jahrhunderts, und Walter Gropius, der Direktor des Bauhauses, zu einer intensiven und kreativen Zusammenarbeit. Es ist der Beginn einer schöpferischen Phase von Kunst und Technik, in der umwälzende Ideen reiften und Lösungen gefunden wurden, die noch heute unsere Gesellschaft prägen.

Im Bauhaus selbst befanden sich die Bauhauswerkstätten, "seine Laboratorien", wie sie Walter Gropius einst bezeichnete, und Hugo Junkers sprach von seinen Werken als "Forschungsfabriken". Die gegenseitige Inspiration und Zusammenarbeit im geistigen, pädagogischen, künstlerischen und praktischen Sinne führte zu Schnittpunkten beider Institutionen auf verschiedenen Ebenen. Ein guter methodischer Leitfaden bildete dabei der Aufsatz von Gropius: "Wo berühren sich die Schaffensgebiete des Technikers und Künstlers?", den er 1926 in der Zeitschrift des deutschen Werkbundes "Die Form", Heft 6, veröffentlichte. Inhaltlich wird am Beispiel des Junkers-Flugzeugbaus erläutert, dass sich der technische Fortschritt zum Werkzeug für die neue Gestaltung herausgebildet hat. Verständlich, dass sich unter diesen Aspekten Dessaus Gäste und Besucher von den Junkerswerken und dem Bauhaus gleichermaßen angezogen fühlten.

Vorzugsweise regionale Firmen und Gewerke waren an der Bauausführung des Bauhausgebäudes beteiligt. Die gesamte wärmetechnische Ausstattung übernahmen die Firmen Junkers & Co sowie das Junkers-Kaloriferwerk. Die Bestuhlung der Aula mit eisengarnbespannten Stahlrohrsitzreihen war eine Entwicklung des Bauhäuslers Marcel Breuer. Voraus ging eine erfolgreiche Probe- und Entwicklungsphase des "Breuer-Hockers", dessen zeitlose Eleganz er in der Junkers-Lehrwerkstatt durch praktische Versuche mit verschiedenen Materialien und deren Formgebung erreichte. Der junge Marcel Breuer fand in dem erfahrenen Lehrmeister Karl Körner den Partner in der Industrie zur Umsetzung seiner künstlerischen Intentionen, ein treffendes Beispiel für die Einheit von Kunst und Technik.

Reklameblatt für die Nutzung von Junkers-Gas-Heisswassergeräten im Bauhausgebäude, 1929.

Auch die im öffentlichen Bereich des Bauhausgebäudes an die Wände "gehängten" Junkers-Radiatoren (Heizkörper) sowie die modernen, von den Bauhauskünstlern Marianne Brandt und Max Krajewskij gestalteten Beleuchtungskörper werden dadurch sinnfällig. Eine Junkers-Anzeige als "Technische Aufklärung" für Warmwassergeräte, unter der Verwendung eines Motivs vom Dessauer Bauhausgebäude, in "Die Form", 1929, verdeutlicht den Schnittpunkt von Kunst und Technik im Zeitgeist jener Jahre.

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